GEBÄRMUTTERHALSSCHWÄCHE •

MUTTERMUNDSCHWÄCHE

 ZERVIXINSUFFIZIENZ

Von eine Zervixinsuffizienz spricht man, wenn der Gebärmutterhals (Zervix) weicher und/oder verkürzt ist und sich dadurch der Muttermund während einer Schwangerschaft vorzeitig öffnen könnte.

Definition

Die Muttermundschwäche oder auch Gebärmutterhalsschwäche (Zervixinsuffizienz) ist eine schmerzlose und oft symptomlose Öffnung des Gebärmutterhalses (Zervix). Bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf ist die Gebärmutter geschlossen um das Kind vor Infektionen zu schützen. Der Muttermund öffnet sich erst mit der Wehentätigkeit vor der Geburt. Im Falle einer Muttermundschwäche öffnet sich der Gebärmutterhals allerdings schon im 2. Trimester. Wenn sich der Muttermund frühzeitig und unbemerkt öffnet, kann es zu einer Frühgeburt oder Fehlgeburt (Spätabort) kommen. Wenn man die Muttermundschwäche früh erkennt und entsprechend behandelt, verlängert sich die Schwangerschaft oft auf eine normale Dauer.

Formen

BABYOU • Schwangerschaft • Xervix normal

Normaler Gebärmutterhals (Zervix)

BABYOU • Schwangerschaft • Xervix verkürzt

Verkürzter Gebärmutterhals

BABYOU • Schwangerschaft • Xervix offen

Offener Muttermund

Symptome

In den meisten Fällen verläuft der Beginn einer Muttermundschwäche symptomlos und beschwerdefrei. Aus diesem Grund sind regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen besonders wichtig.

Manche Frauen verspüren frühe Symptome wie:

  • Unspezifische Bauchschmerzen
  • Schmerzen im unteren Rücken
  • Vaginaler Druck
  • Vaginale Blutungen oder Schmierblutungen
  • Vaginaler Ausfluss
  • Vorzeitige Wehen

Ursachen

Woher die Muttermundschwäche kommt, ist noch unklar. Es wird angenommen, dass es sich um eine Kombination von strukturellen Veränderungen (z. B. Gewebsschwäche oder durch frühere operative Eingriffe) und biochemischen Faktoren (z. B. Infektionen und Entzündungen) handelt. Diese Faktoren können genetisch bedingt oder erworben sein.

Risikofaktoren

Für Frauen, die zum ersten Mal schwanger sind, kommt eine Muttermundschwäche meist überraschend. Risikofaktoren für eine Muttermundschwäche können sein:

  • Mehrlingsschwangerschaften (aufgrund des größeren Drucks auf den Muttermund)
  • Mehr als 3 frühere Fehlgeburten während des 2. Trimesters
  • Angeborene Störungen des Bindegewebes, der Kollagensynthese
  • Vorausgegangener operativer Eingriff am Muttermund (Konisation)
  • Vorausgegangene tiefe Verletzungen des Muttermunds (z.B. nach vaginaler Entbindung oder Kaiserschnitt)
  • Müller-Gang-Anomalien – sind Ursache für Fehlbildungen der Gebärmutter

Diagnose

Mittels Zervix-Längen-Messung ⦁ Gebärmutterhals-Längen-Messung:
Der Zervixkanal ist die Länge vom inneren bis zum äußeren Muttermund (siehe Bild) und hat während der Schwangerschaft eine normale Länge von 2,5 – 3 cm. Wenn die Länge weniger als 2,5 cm beträgt, besteht Gefahr einer Muttermundschwäche. Die Zervix-Länge wird mit Ultraschall gemessen – das ist die zuverlässigste Diagnosemethode.

Maßnahmen

Je nachdem wie stark der Muttermund verkürzt ist und wie hoch die Gefahr einer Frühgeburt ist, gibt es folgende mögliche – individuell abgestimmte – Therapien oder Maßnahmen.

  • Vaginal verabreichtes Progesteron
  • Cerclage: Verschluss (Umschlingung) des Muttermundes mittels einer Naht (operativer Eingriff)
  • Cerclage-Pessar: Verstärkung des Muttermundes mit einem Ring aus weichem Gummi (ohne operativen Eingriff)
  • Lungenreifung mit Kortison, im Falle einer drohenden Frühgeburt vor der 34. SSW
  • Bettruhe: Körperliche Ruhe zur Entlastung von Druck auf den Muttermund

Im Falle einer Cerclage wird der Muttermund in einem operativen Eingriff mit einem Bändchen zugeschnürt, um dem Gewicht des Babys mehr Halt und Widerstand entgegen zu setzen. Die Naht wird meist am Ende der 37. Schwangerschaftswoche entfernt. Es gibt zwei Cerclage-Arten: die Not-Cerclage und die Präventiv-Cerclage.

Eine Not-Cerclage wird angewendet, wenn der Gebärmutterhals so gravierend verkürzt ist, dass ein direktes Risiko für eine Frühgeburt besteht. In manchen Fällen ist eine stationäre Aufnahme notwendig. Die wichtigsten Maßnahmen sind körperliche Schonung und Bettruhe.

Eine Präventiv-Cerclage wird manchmal bei einer Folgeschwangerschaft nach einer Gebärmutterhalsverkürzung am Anfang des 2. Trimesters prophylaktisch angewendet. Vor allem dann, wenn der Zervixkanal am Anfang des 2. Trimesters weniger als 2,5 cm lang ist. In diesem Fall wird verordnet, dass die Frau sich schont und Bewegung reduziert (z.B. Vermeidung von langen Spaziergängen, Sport und Heben von Lasten). Bettruhe ist meistens nicht notwendig.

Die Anwendung eines Cerclage-Pessars ist eine Alternative zum operativen Eingriff. Allerdings muss individuell medizinisch evaluiert werden, ob diese angebracht ist.

Weitere Kontroll-Maßnahmen sind regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen mit Zervix-Längen-Messung alle 2 – 4 Wochen.

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Autorin • Mag. Ingrid Lechinger
Medizinisches Review • Dr. Helmut Musil
Stand der Information • Oktober 2018

Dadak, Christian: Sexualität, Reproduktion, Schwangerschaft, Geburt: MCW 15, 9. Auflage, Wien: Facultas, 2017.

Hefler, Lukas: Frühgeburt: Ursachen, Symptome, Risiken, Behandlung: www.fehlgeburt.at (Stand: 18.10.2018)

Gätje, Regine; Eberle, Christine; Scholz Christoph; Lübke, Marion; Solbach, Christine: Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, 2.Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2015.

Goerke, Kay: Taschenatlas der Geburtshilfe, 2. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2006.

Goerke, Kay; Valet, Axel: Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, 7. Auflage. München: Elsevier GmbH / Urban & Fischer Verlag, 2014.

Griffin, James: Immunology and Haematology, 2nd Edition. St. Louis, Missouri, USA: Mosby, 2003.

Rath, Werner: Geburtshilfe und Perinatalmedizin: Pränataldiagnostik, Erkrankungen, Entbindung; 250 Tabellen, 2. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2010.

Stone, Joanne; Eddleman, Keith; Duenwald, Mary: Schwangerschaft für Dummies. Weinheim: Wiley-VCH-Verlag, 2008.