RISIKOFAKTOREN & RISIKOSCHWANGERSCHAFT

Risiko … was bedeutet das genau?

Sobald du mit den Worten „Risiko, Risikofaktoren oder Risikoschwangerschaft“ in Kontakt kommst, macht sich vielleicht ein mulmiges Gefühl in dir breit. Deshalb ist es wichtig zu verstehen: Welche Risiken es während der Schwangerschaft geben kann. Und welche präventiven Maßnahmen oder medizinischen Behandlungen notwendig werden können, um diese Risiken hintanzuhalten? So kannst du die richtigen Fragen stellen und fühlst dich sicherer bei dem, was du tust.

BABYOU • Schwangerschaft • Symptome & Probleme

Bitte besprich alle Fragen und Unsicherheiten mit deiner Ärztin oder Hebamme und erwähne jegliche Symptome, Beschwerden oder Schmerzen bei deinen Untersuchungen.

RISIKO

Der Begriff Risiko beschreibt ausschließlich eine statistische Wahrscheinlichkeit, dass ein Problem auftreten könnte. Nicht mehr und nicht weniger.

RISIKOFAKTOREN

Die Ursachen für Probleme während der Schwangerschaft können von Frau zu Frau unterschiedlich sein. Es gibt Risikofaktoren, die manche Frauen schon haben, noch bevor sie schwanger werden. Es gibt auch Risikofaktoren, die sich erst während einer Schwangerschaft entwickeln und zu Komplikationen führen können.

75% aller Frauen haben mindestens einen Risikofaktor in ihrer Schwangerschaft. Ganz schön viele, oder? Einen Risikofaktor zu haben, bedeutet aber nicht automatisch, dass während der Schwangerschaft Probleme auftreten müssen. Und umgekehrt: Keinen Risikofaktor zu haben, bedeutet auch nicht, dass sich eine Schwangerschaft automatisch problemlos entwickelt.

Es gibt ganz unterschiedliche Risikofaktoren:

Risikofaktoren durch familiäre Belastung

  • Frühgeburten in der Familie
  • Fehlbildungen
  • Genetische Erkrankungen
  • Psychische Erkrankungen

Risikofaktoren durch psychosoziale Belastung

  • Familiäre Probleme
  • Häusliche Gewalt
  • Berufliche Probleme
  • Integrationsprobleme
  • Wirtschaftliche Probleme
  • Posttraumatischen Belastungsstörung (PTMS)
  • Unbehandelte Depressionen und Angstzustände, Stress und/oder Mangel an Unterstützung

Körperliche Voraussetzungen

  • Erstgebärende unter 18 Jahren oder über 35 Jahre
  • Mehrgebärende über 40 Jahre
  • Vielgebärende mit mehr als 4 Entbindungen
  • Zwillinge, Drillinge oder andere Mehrlingsschwangerschaften
  • Weniger als 18 bis 23 Monte Abstand zwischen zwei Schwangerschaften

Vor der Schwangerschaft bestehende Krankheiten

  • Übergewicht (Adipositas)
  • Untergewicht: zu geringes Körpergewicht
  • Zuckerkrankheit (Diabetes)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Störungen des Herz-Kreislauf-Systems
  • Schilddrüsen-Unterfunktion oder Überfunktion (Hypothyreose oder Hyperthyreose)
  • Blutarmut (Anämie)
  • Blutungs-Thromboseneigung
  • Herz-, Nieren- oder Leberstörungen
  • Allergien
  • Epilepsie
  • Manche Dauermedikationen
  • Missbrauch von Alkohol, Nikotin, Medikamenten oder Drogen
  • Abnormalitäten der Gebärmutter (Uterus) wie gutartige Tumore in der Gebärmutter (Myome)
  • Frühere Operationen an der Gebärmutter (Uterus) wie: Konisation, Schwangerschaftsabbruch, Kürettage (Curettage)
  • Frühere Operationen im Bauch (Abdomen)
  • Frühere Erkrankungen und andere Operationen an Schilddrüse, Herz, Nieren, Leber, Venen, usw.

Probleme bei früheren Schwangerschaften

Komplikationen, die während der Schwangerschaft auftreten können

Wenn du glaubst, dass du Risikofaktoren in deiner Schwangerschaft hast, wende dich an deine Ärztin und frage nach abklärenden bzw. vorbeugenden Maßnahmen.

RISIKOSCHWANGERSCHAFT

Was ist nun eine Risikoschwangerschaft?

Risikoschwangerschaften sind Schwangerschaften, bei denen aufgrund von Risikofaktoren mit einem erhöhten Risiko für die Gesundheit und das Leben von Mutter oder Kind zu rechnen ist.

Zu einer Risikoschwangerschaft kann es kommen, wenn Risikofaktoren vorhanden sind oder plötzlich auftreten – wie z.B. chronische Krankheiten, frühe Schwangerschaftskomplikationen oder akute Komplikationen.

35% aller schwangeren Frauen sind von einer Risikoschwangerschaft betroffen. Aber auch hier gilt, nicht jede Risikoschwangerschaft führt automatisch zu Komplikationen während der Schwangerschaft.

Die medizinischen Maßnahmen richten sich nach dem jeweiligen Schwangerschaftsverlauf. Eine engmaschige medizinische Überwachung und eventuelle zusätzliche Untersuchungen zählen zu den wichtigsten Maßnahmen. Bei manchen Risikoschwangerschaften kann es auch ratsam sein, eine Klinik für Risikogeburten und Risikokinder (Perinatalzentrum) aufzusuchen.

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Zusätzliche UNTERSUCHUNGEN

Zu den normalen Schwangerschaftsuntersuchungen, wie sie im Mutter-Kind-Pass bzw. Mutterpass vorgeschrieben sind, können dem Risiko entsprechende zusätzliche Untersuchungen notwendig werden. Zum Beispiel:

  • Ultraschall • Sonographie
    Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) gehört zur Standarduntersuchung in der Schwangerschaftsvorsorge. Dabei treffen Ultraschallwellen auf die verschiedenen Gewebe im Körper und werden unterschiedlich reflektiert. Ein Computer berechnet die zurückgesendeten Daten und stellt sie als Bild dar
    (Ultraschallbild).
  • Doppler-Sonographie
    Die Doppler-Sonographie ist eine spezielle Form des Ultraschalls. Mit einem speziellen Schallkopf und stärker gepulstem Schall kann die Durchblutung der Gebärmutter (Uterus) sowie der Blutfluss zwischen Kind und Mutterkuchen (Plazenta) gemessen werden. So lässt sich abschätzen, wie gut bestimmte Organe und Gewebe, die für die Entwicklung des ungeborenen Kindes wichtig sind, mit Blut versorgt werden.
  • Zervix-Längen-Messung
    Bei der Zervix-Längen-Messung wird über Ultraschall die Länge zwischen dem äußeren und inneren Muttermund abgemessen.
  • Fruchtwasser-Punktion • Amniozentese
    Die Amniozentese (Fruchtwasser-Punktion) ist eine invasive Methode um das Fruchtwasser der werdenden Mutter zu untersuchen. Dabei wird mit einer Hohlnadel die Fruchtblase punktiert und Fruchtwasser entnommen. Danach können die im Fruchtwasser enthaltenen kindlichen Zellen auf genetische oder biochemische Abweichungen untersucht werden.
  • Plazenta-Punktion • Chorionzottenbiopsie
    Die Chorionzottenbiopsie (Plazenta-Punktion) ist eine invasive Methode um die Zellen des Mutterkuchens (Plazenta) auf genetische Besonderheiten und auf einige Stoffwechselerkrankungen zu untersuchen. Die Plazenta-Punktion kann schon in einem früheren Stadium der Schwangerschaft als die Fruchtwasser-Punktion gemacht werden.
  • CTG-Untersuchungen
    Mit einem CTG (Cardio-Toko-Graphie • Herzton-Wehen-Schreibung) können sowohl die Herztöne des Kindes, als auch die Wehentätigkeit der Mutter gemessen werden.
  • Wehenschreibung • Tokographie
    Mit der Wehenschreibung (Tokographie) wird die Wehentätigkeit bei der Mutter aufgezeichnet und grafisch dargestellt (Tokogramm). Sieh auch CTG.
  • Fibronektin-Test
    Der Fibronektin-Test ist ein nicht-invasiver und schmerzloser Test, bei dem anhand eines vaginalen Abstriches auf fetales (kindliches) Fibronektin getestet wird. Dieser Test gibt die Geburtswahrscheinlichkeit an und wird bei Verdacht auf eine Frühgeburt angewendet.
  • Vaginale Spekula-Untersuchung mit Infektionsabstrich
    Ein Abstrich ist Teil einer klassischen Untersuchung beim Gynäkologen. Es handelt sich um eine nicht-invasive Methode, bei der eine Zellprobe vom Gebärmutterhals und dem Muttermund entnommen wird. Ein Infektionsabstrich wird vor allem bei Verdacht auf eine vaginale Infektion und vorzeitigen Wehen gemacht.

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Hier findest du:

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Autorin • Mag. Ingrid Lechinger
Medizinisches Review • Dr. Helmut Musil
Stand der Information • Oktober 2018

Gätje, Regine; Eberle, Christine; Scholz Christoph; Lübke, Marion; Solbach, Christine: Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, 2. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2015.

Goerke, Kay: Taschenatlas der Geburtshilfe, 2. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2006.

Goerke, Kay; Valet, Axel: Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, 7. Auflage. München: Elsevier GmbH / Urban & Fischer Verlag, 2014.

Rath, Werner: Geburtshilfe und Perinatalmedizin: Pränataldiagnostik, Erkrankungen, Entbindung; 250 Tabellen, 2. Auflage. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2010.

Schneider, Henning; Husslein, Peter; Schneider, Karl-Theo M.: Die Geburtshilfe, 5. Auflage. Berlin-Heidelberg-New York: Springer-Verlag, 2016.

Stiefel, Andrea: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf, 5. Auflage. Stuttgart: Hippokrates Verlag, 2013.

Stone, Joanne; Eddleman, Keith; Duenwald, Mary: Schwangerschaft für Dummies. Weinheim: Wiley-VCH-Verlag, 2008.